Nachruf
für Präsident Rudolf Ströbinger
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Sein
jahrzehntelanger aufopfernder Einsatz für Unterdrückte in
Diktaturen und für schriftstellerische Freiheit ist
abgeschlossen: Am Donnerstag, dem 1. Dezember 2005, ist unser
langjähriger Präsident Dr. phil. Rudolf Ströbinger, Publizist
und erfolgreicher Buchautor, im Alter von 74 Jahren in seinem
Wohnort Hage/Ostfriesland einer langen, schweren Krankheit
erlegen. Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke in
unserem Exil-P.E.N. Club. Wir werden seine Menschlichkeit, seine
Sachkenntnis, seinen Humor und seine Schlagfertigkeit vermissen.
Rudolf
Ströbinger wurde am 5. März 1931 als Sohn eines Lehrers im südmährischen
Nikolsburg (Mikulov) geboren. Nach dem Besuch der Grundschule
und des Gymnasiums legte er dort auch das Abitur ab. Von 1949 an
war er journalistisch tätig, zunächst in der mährischen
Regionalredaktion der Tageszeitung Lidová demokracie in Brünn
(Brno), dem Zentralorgan der christlich orientierten
tschechoslowakischen Volkspartei. 1951 wurde er in die
Hauptredaktion dieser Zeitung nach Prag versetzt. Nun hatte er
auch die Möglichkeit, Geschichte und Philosophie an der Prager
Karlsuniversität zu studieren. Nachdem er sein Studium mit dem
Titel "Dr. phil.“ abgeschlossen hatte, war er neben
seiner Tätigkeit als Redakteur bei Lidová demokracie auch ständiger
freier Mitarbeiter beim tschechoslowakischen Rundfunk. Während
der Zeit des „Prager Frühlings“ wurde Ströbinger zum
stellvertretenden Chefredakteur der Lidova demokracie berufen.
Auch nach der sowjetischen Okkupation am 21. August 1968
verurteilte Rudolf Ströbinger in seinen Kommentaren die
sowjetische Besetzung der Tschechoslowakei scharf. Ende Oktober
erhielt er auf Anweisung der sowjetischen Besatzungsmacht und
Protesten des DDR-Botschafters als einer der ersten
tschechischen Journalisten Publikationsverbot. Da
damals noch die Möglichkeit bestand, die CSSR legal zu
verlassen, kam er mit seiner Familie im November 1968 in die
Bundesrepublik Deutschland und wurde Leiter der
Tschechoslowakischen Redaktion der Deutschen Welle in Köln.
Diese Tätigkeit übte er bis zur Auflösung und Zusammenlegung
seiner Redaktion mit der des Deutschlandfunks im Jahr 1975 aus.
Danach arbeitete er als Erster Redakteur zeitweilig in der
Nachrichtenredaktion, anschließend in der Zentralredaktion
Politik/Wirtschaft und schließlich in der Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit.
1985 trat Rudolf Ströbinger aus gesundheitlichen Gründen in
den vorzeitigen Ruhestand und verzog nach Hage/Ostfriesland. Neben
seiner Redaktionsarbeit war Ströbinger in der Tschechoslowakei
und später in Deutschland auch ein sehr produktiver Buchautor.
Bei seinem ersten Buch mit dem Titel "Verschwörung der
Ausgestoßenen“ handelte es sich um eine Reportage über
rechtsradikale Bewegungen. Danach erschien seine Arbeit über
Konrad Henleins Sudetendeutsche Partei (SdP) mit dem Titel
"Flammen des Hasses“. Sein Buch "A-54 Spion mit drei
Gesichtern“ wurde 1965 in der Tschechoslowakei zu einem
Bestseller, der 1966 in deutscher Übersetzung in der
Bundesrepublik herauskam. Großen Erfolg hatte Ströbinger auch
mit seinem Werk "Das Attentat von Prag - Reinhard Heydrich,
Statthalter Hitlers“, das 1976 erschien und 1979 eine zweite
Auflage hatte. 1977 erschienen gleich zwei Bücher Ströbingers
auf dem deutschen Buchmarkt: "Kreuz und roter Stern -
Hinter den Kulissen der christlichen Parteien des Ostblocks“
und "Anatomie eines Staatsstreiches - Wege zur neuen
Weltrevolution“. 1978 veröffentlichte er einen politischen
Roman nach Tatsachen mit dem Titel "Verrat in Rot".
1981 untersuchte er in einer Arbeit die Situation der
"Minderheiten im Ostblock". Große
Beachtung fand 1982 sein Buch "Das Rätsel Wallenberg“,
in dem er das tragische Schicksal des Judenretters von Budapest
schilderte. 1983 folgte seine Arbeit "Der Mord am
Generalsekretär - Stalins letzter Schauprozess - Das Tribunal
mit Rudolf Slansky in Prag“. Diesen Stoff hatte er zuvor als
Fernsehdokumentation für den WDR bearbeitet. 1985 schilderte er
in dem spannenden Buch "Poker um Prag“ die frühen Folgen
von Jalta. Zum 70. Gründungstag der Tschechoslowakei 1988 legte
Ströbinger das Buch "Schicksalsjahre an der Moldau“ vor.
Auf Interesse - nicht nur in Deutschland - stieß sein 1990
erschienenes Werk "Stalin enthauptet die Rote Armee - Der
Fall Tuchatschewsky“, das 2001 auch in japanischer Sprache im
Tokioter Verlag herausgekommen ist. Nach
der samtenen Revolution ging Ströbinger immer mehr dazu über,
in seiner alten Heimat in tschechischer Sprache zu publizieren,
nachdem nicht wenige seiner in den 1970er und 1980er Jahren in
der Bundesrepublik erschienenen Bücher nun auch in
tschechischer Sprache in Prag und Brünn herausgekommen sind.
Leistete Ströbinger 1998 mit seinem Buch "Gäste des
letzten Abendmahls“ theologische "Entwicklungshilfe“ für
in der Tschechoslowakei atheistisch erzogene Jugendliche, fand
er im darauffolgenden Jahren große Freude daran, Kriminalromane
in tschechischer Sprache zu schreiben. So erschienen im Brünner
MOBA Verlag folgende Bücher von ihm: 1999
- "Morde am Hof des Kaisers Rudolf II." Erwähnt
werden muss außerdem, dass Ströbinger in den 1970er und 1980er
Jahren für den WDR in Köln und für den Südfunk in Stuttgart
ein Dutzend politische Dokumentarfilme drehte. Dr.
Ströbinger hat sich in den zurückliegenden 36 Jahren im
Internationalen P.E.N. - Zentrum Schriftsteller im Exil
deutschsprachiger Länder sehr engagiert, dessen Generalsekretär
er seit 1978 und ab 1983 sein Präsident war. Für seine
geradezu aufopfernde Tätigkeit wurde er 2002 mit dem
Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Trotz seiner schweren
Krankheit blieb Ströbinger weiterhin Mitarbeiter von Zeitungen
sowie Rundfunk- und Fernsehanstalten in der Tschechischen und
Slowakischen Republik, für die er über das politische
Geschehen in Westeuropa berichtete. Im
Namen des Präsidiums Hans
Lindemann Pressereferent
und Schriftführer Köln,
am 2. Dezember 2005 |
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