Der Exil-P.E.N. Club, seit 1956 Mitglied im Internationalen P.E.N. Zentrum, wurde 1948 vom spanischen Schriftsteller Salvador de Madariaga y Rojo gegründet, der seine Heimat in den 1930er Jahren verlassen musste, um der Verfolgung durch die Franco-Diktatur zu entgehen. Am Anfang war der Exil-P.E.N. Club deutschsprachiger Länder ein loser Zusammenschluss, dem sich aber von Jahr zu Jahr immer mehr Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der Tschechoslowakei, Polen und den anderen damaligen Ostblockstaaten anschlossen. Die eigentliche Geburtsstunde des Exil-P.E.N. Clubs erfolgte im Dezember 1956: Nachdem sowjetische Panzer den Ungarischen Volksaufstand niedergewalzt hatten, mussten viele ungarische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in den Westen fliehen, um sich der Verhaftung zu entziehen. Als der ungarische Schriftsteller Julius Hay 1959 aus der Haft entlassen und von den Kommunisten in den Westen abgeschoben wurde, ist er zum Präsidenten des Exil-P.E.N. Clubs gewählt worden. Nachdem die Truppen des Warschauer Paktes 1968 dem "Prager Frühling" ein gewaltsames Ende bereiteten, traten dem Club zahlreiche neue Mitglieder bei, so dass ihre Zahl 150 Personen erreichte. Zu den Flüchtlingen aus Prag gehörten u.a. der spätere tschechische Kulturminister Pavel Tigrid, unser langjähriger Präsident, der Historiker und Publizist Dr. Rudolf Ströbinger (5.03.1931-  1.12.2005) sowie der Satiriker Gabriel Laub, langjähriger Präsident und bis zu seinem Tod 1998 Ehrenpräsident unseres Verbandes. Nach ihm ist der Gabriel-Laub-Preis benannt, der an Schriftstellerinnen und Schriftsteller verliehen wird, die sich in ihren Werken für die Völkerverständigung und Verteidigung der Menschenrechte einsetzen oder Exilprobleme beschreiben.

Der neue Präsident des Exil-P.E.N. ist Prof. Dr. Wolfgang Schlott von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der am 25. November 2006 von der Mitgliederversammlung als Nachfolger von Dr. Rudolf Ströbinger gewählt wurde.

Ist der Exil-P.E.N. noch zeitgemäß?

Hat nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Europa ein Exil-P.E.N. Club in den deutschsprachigen Ländern noch eine Existenzberechtigung? Diese Frage muss eindeutig bejaht werden, solange es auf der Welt noch Diktaturen und autoritär regierte Staaten gibt, in denen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Publizistinnen und Publizisten verfolgt werden, die sich für Freiheit, Toleranz und Demokratie einsetzen. So hatten wir seit 1990 vor allem zunehmend Schriftstellerinnen und Schriftsteller aufgenommen, die wegen antisemitischer und nationalistischer Ausschreitungen ihre Heimat in den ehemaligen mittelasiatischen Sowjetrepubliken, aber auch in Russland verlassen mussten. Hinzu kamen auch Verfolgte aus dem Iran. Der Exil-P.E.N. wird ferner sein Augenmerk u.a. auf die in den deutschsprachigen Ländern lebenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Kuba und Vietnam richten, um ihnen in der Fremde eine Heimat zu geben.

Wer kann Mitglied werden?

Außer dem oben genannten Personenkreis, kann ferner jede in den deutschsprachigen Länder geborene Schriftstellerin und Publizistin sowie jeder dortige Schriftsteller und Publizist, welche(r) sich für die Freiheit des Wortes und gegen Menschenrechtsverletzungen einsetzt, Mitglied im Exil-P.E.N. Club werden. Für die heute im deutschen Sprachraum lebenden, aus anderen Ländern stammenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller ist der Exil-P.E.N. Club ferner ein mit rund 140 Mitgliedern recht überschaubarer Kreis, was die gegenseitige Kommunikation untereinander begünstigt. Obwohl der Exil-P.E.N. faktisch ein recht kleiner Verband ist, wurde er 1978 von der Londoner P.E.N. Zentrale beauftragt, den Weltkongress des Internationalen P.E.N. Zentrums im Hamburg auszurichten. Und am 40. Gründungstag des Exil-P.E.N. Clubs im Jahr 1996 bedankte sich der damalige tschechische Staatspräsident Václav Havel für die Hilfe, die er von unserem Verband bekommen hatte. Zum 40. sowie zum 45. Jahrestag der Gründung des Exil-P.E.N. Clubs sind Anthologien mit Arbeiten unserer Mitglieder erschienen. 2006 werden es nun 50 Jahre sein, auf die der Exil-P.E.N. Club deutschsprachiger Länder zurückblicken kann. Eine dritte Anthologie mit Texten unserer Mitglieder wird aus diesem Anlass vorbereitet. Außerdem ist geplant, dieses Jubiläum erneut  auf Schloss Eichholz zu feiern.

Exil-P.E.N-Zentren mit und ohne Bindestrich

Manchmal unterscheiden sich URLs voneinander nur durch einen Buchstaben oder einen Bindestrich, wie "www.exil-pen.de" und "www.exilpen.de". Fast die gleiche URL, aber zwei verschiedene P.E.N. Zentren: hier das P.E.N. Zentrum der Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder, dort das P.E.N. Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland. Verwechslungen können nie ganz ausgeschlossen werden, daher haben die Vorstände und Webmaster unserer beiden Zentren sich entschieden, dieses Problem durch gegenseitige Verlinkung und Kooperation aus der Welt zu schaffen:

 

Hier geht es zum P.E.N. Zentrum
 deutschsprachiger Autoren im Ausland
  http://www.exilpen.de >>>

Hier geht es zum P.E.N. Zentrum Deutschland
 
http://www.pen-deutschland.de/

Wolfgang Schlott zum 50. Jahrestag des Exil-P.E.N >>>

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