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Wolfgang
Schlott Fünfzig
Jahre ästhetischer und politischer Widerstand: Eine
deutsche Exilorganisation in einem sich vereinigenden demokratischen
Europa mehr als 16 Jahre nach den „samtenen“ Revolutionen in
Ostmitteleuropa? Ist das nicht eine vom Geist der Nostalgie und des
Anachronismus erfüllte Vereinigung von Intellektuellen aus dem
„kalten Krieg“ und der Zerfallsperiode des Kommunismus? Woher nimmt
der im Jahr 1956 gegründete Exil PEN Club seine Legitimation, sich
weiterhin für politisch verfolgte Schriftsteller/innen wie auch für
Journalisten/innen einzusetzen, für die Durchsetzung des freien Wortes
an den östlichen Randzonen Europas und in vielen Ländern der Welt zu kämpfen
oder die kulturelle Autonomie von ethnischen Minderheiten zu
verteidigen? Wer
im 51. Jahr der Existenz dieser Vereinigung der Beantwortung solcher
provokativen Fragen nachgeht, der ist gehalten, eine ereignisreiche
Geschichte in mindestens vier Schritten zu beleuchten. Flucht,
Petitionen, symbolischer Widerstand "An
alle Schriftsteller der Welt, an alle Wissenschaftler, an alle
Schriftstellerverbände, Akademien, wissenschaftliche Vereinigungen und
an alle Führer des geistigen Lebens: Helft uns, die Zeit ist knapp, die
Tatsachen sind bekannt, wir brauchen sie euch nicht zu erklären: Helft
Ungarn! Helft dem ungarischen Volk! …" (Eva Hay, Auf beiden
Seiten der Barrikade, Leipzig 1994, S. 257f.) Als
Eva Hay, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Dramatiker Julius Hay, diesen
Aufruf am 4. November 1956 um 7.56 Uhr über den „Freien Sender
Kossuth“ auf Ungarisch und auf Deutsch in den Äther schickt, dringen
russische Soldaten bereits in das Foyer des Parlamentsgebäudes an der
Donau ein. Wenig später wird die eben ausgerufene unabhängige Republik
Ungarn mit Waffengewalt unter hohen Verlusten an Menschen unterdrückt.
Unter den mehr als zweihunderttausend nach Österreich flüchtenden
Ungarn befinden auch zahlreiche Schriftsteller und Journalisten. Einige
unter ihnen schließen sich dem eben gegründeten Exil PEN Club an. In
der aus Anlass des vierzigjährigen Jubiläums herausgegebenen
Publikation „Exil in der Literatur. Literatur im Exil“ (Norden 1997)
erweisen sich die Namen Deszö Monoszloy, mit der Erzählung „Der Tag
der Fische“, Bettina
Vadasi (mit einem metaphernreichen Märchen), Agnes Mirtse (Lautpoesie),
A.S. Magyari (mit einer Erinnerungsskizze aus dem Schweizer Exil) und
nicht zuletzt Eva bzw. Julius Hay als Repräsentanten einer nach
Westeuropa geflüchteten ungarischen literarischen Elite. Auch
die zweite Welle der Exilanten zeichnet sich in „Exil in der
Literatur. Literatur im Exil“ ab. Sie wird durch die zahlreichen
Vertreter der tschechischen und slowakischen Literatur wie auch der
Geisteswissenschaftler gebildet, die nach der Niederschlagung des
„Prager Frühlings“ im Herbst 1968 nach Westeuropa flüchteten. Es
sind dies unter anderen der Literaturwissenschaftler Antonín Měšťan,
der in dem Jubiläumsband „Exil-Autoren als besondere Kategorie“
charakterisiert, der Satiriker Gabriel Laub, der mit drei skurrilen
Geschichten brilliert, Rudolf Ströbinger, zwischen 1982 und 2005 Präsident
des Exil PEN, der mit einem Textausschnitt aus seinem Buch über das
Attentat auf den SS-Staathalter Heydrich vertreten ist, Jaroslav
Marek-Vejvoda, der eine makabre Kurzgeschichte aus dem Schweizer Exil präsentiert,
Karel Mácha mit einer philosophischen Reflexion über die verhängnisvolle
Einwirkung des Marxismus auf die westliche Philosophie, Jiří Loewy
(1930-2004), Publizist und langjähriger Vorsitzender der
sozialdemokratischen Exilpartei, mit kafkaesken Erinnerungen an das alte
und neue Tschechien, der Historiker und Politologe Ivan Pfaff mit einer
Skizze über die „Sowjetisierungsgefahr in der Tschechoslowakei
1938“, Jan Picek, ein seit den 70er Jahren im Schweizer Exil lebender
Autor, mit einer Satire über die sowjetischen Besatzer in der CSSR,
sowie Kurt K. Neumann, ein
slowakischer Schriftsteller, mit einer urbanen Skizze aus dem alten
Pressburg, dem heutigen Bratislava. Eine bedeutende Rolle spielte der
Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Antonín Kratochvíl
(1924-2004), langjähriger Generalsekretär des Exil PEN Clubs, in der
westeuropäischen Öffentlichkeit. Er emigrierte bereits 1952 in die
Bundesrepublik Deutschland. In dem Band, der auch die Grußbotschaft des
tschechischen Präsidenten und Schriftsteller Václav Havel trägt, ist
er mit einem Ausschnitt aus seinem kunstgeschichtlichen Werk über den böhmischen
Barock vertreten. Wie
vielfältig die Palette nationalen autonomen Schrifttums im Exil PEN
Club zu Beginn der 90er Jahre ist, verdeutlichen auch solche Autoren wie
der aus Moskau stammende Boris Chasanow, dessen Romane fundierte
psychomentale Reflexionen über den Verfall der sowjetischen
Gesellschaft aufweisen, und Boris Schapiro, seit den 90er Jahren Vize-Präsident
unserer Vereinigung, ein Lyriker, der die ontische Verlorenheit des
Menschen im 20. Jahrhundert beklagt. Neben fiktionalen Gattungen sind
auch der Essay und die philosophisch fundierte Historiographie in diesem
Spektrum vertreten: Hans Lindemann, fundierter Kenner ethnischer und
nationaler Minderheiten im mitteleuropäischen Raum und Pressereferent
des Exil PEN, engagiert sich unter anderen für die kulturelle Autonomie
der Sorben und die deutsch-tschechische Aussöhnung, während Bernd Rill,
langjähriger Vize-Präsident unseres Zentrums, die historische Erzählung
und Werke zur Geschichte Mitteleuropas präferiert. Angesichts
des vielschichtigen Schaffens unserer Mitglieder ist zunächst nach der
kulturellen Bedeutung der Werke zu fragen, die seit über fünfzig
Jahren in der deutschsprachigen Öffentlichkeit nicht nur präsent sind,
sondern in der ästhetischen Auseinandersetzung mit den bis 1989 überwiegend
monologischen Kulturen ihrer Heimatliteraturen eine Fülle von Diskursen
hervorgebracht haben, die nachhaltige Wirkungen in den europäischen
Literaturlandschaften hinterlassen.
Ästhetische
Herausforderung mit kulturpolitischer Konsequenz Die im deutschsprachigen Raum publizierenden Exilautoren standen spätestens seit Beginn der 60er Jahre vor der Aufgabe, der westlichen demokratischen Öffentlichkeit ein umfassendes Bild von jenen Kulturlandschaften zu vermitteln, aus denen sie geflüchtet waren oder als „unerwünschte Subjekte“ von den kommunistischen Behörden – oft nach Verbüßung von Haftstrafen - verjagt wurden. Egal aus welchen Staaten Ostmittel- und Osteuropas sie emigrierten, ihre Ankunft im Westen traf bei vielen Vertretern der intellektuellen Öffentlichkeit nicht auf Wohlwollen. Ein beträchtlicher Teil auch der westdeutschen geistigen Elite hatte eine idealtypische Vorstellung von den staatssozialistischen Regimen, von der sie sich meist nicht durch eigene Anschauungen, sondern erst nach der Lektüre der Enthüllungen über den sowjetischen GULAG und die sich nach 1968 häufenden Veröffentlichungen über die Verfolgung der regimekritischen Intelligenz in den Ländern jenseits des „Eisernen Vorhangs“ allmählich lösten. Umso wichtiger erwies sich die Funktion jener emigrierten Schriftsteller/innen und Journalisten, die sich in den westlichen Print- und visuellen Medien als Vertreter der alternativen oder parallelen Kultur Osteuropas Gehör verschaffen konnten. Ihre Herausforderung bestand darin, sowohl den Meinungsträgern als auch der breiten Öffentlichkeit ein vielschichtiges Bild von ihren in Unmündigkeit gehaltenen Gesellschaften zu vermitteln. Bei der Umsetzung dieses Aufklärungsprozesses spielten auch die Mitglieder des Exil PEN Clubs eine nicht zu unterschätzende Rolle. Sie bestand parallel zu den Veröffentlichungen von Prosawerken, Anthologien, Hör- und Fernsehspielen, publizistischen Texten, Cartoons sowie der Aufführung von Theaterstücken vor allem in der Vermittlung von literarischen und künstlerischen Werken ihrer Berufskollegen, die in den jeweiligen Ländern nicht publizieren durften oder gar Haftstrafen wegen „staatsgefährdender Tätigkeit“ absitzen mussten. Nicht zuletzt aus diesem Grund bezogen sich die Aktivitäten unserer Exil-Vereinigung nicht nur auf regelmäßige Tagungen, auf denen themenbezogen mehr oder weniger erfolgreiche Bilanzen von Veröffentlichungen gezogen wurden, sondern in einer kulturpolitischen Öffentlichkeitsarbeit. Besonders in den 70er Jahren war das kulturpolitische Engagement des Präsidiums der Exil PEN gefordert. Es galt nicht nur gegen die Verhaftungen der Charta-Sprecher in Prag zu protestieren, Petitionen zu verfassen, als in Moskau immer mehr Bürgerrechtler wegen ihrer Dokumentationen über Menschenrechtsverletzungen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden und die Aktivisten der polnischen Bürgerrechtsbewegung „KOR“ (Komitee zur Verteidigung der Arbeiter) immer wieder verhaftet und wegen Verbreitung staatsgefährdender Schriften in Gefängnisse geworfen wurden. Solidarität war auch dann gefordert, als Schriftsteller/Innen wie Sarah Kirsch, Jürgen Fuchs oder Stefan Heym in der DDR von den dortigen Behörden schikaniert wurden, weil sie gegen die Ausweisung von Wolf Biermann protestiert hatten. Diese
kompromisslose Haltung gegenüber
den kommunistischen Staaten kennzeichnete den Exil PEN, gemeinsam mit
Amnesty International, auch zu Beginn der 80er Jahre, als im Dezember
1981 die unabhängige Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ mit
Waffengewalt niedergeschlagen wurde. Im Winter 1981/82, als auch
zahlreiche polnische Schriftsteller und Journalisten während des
Kriegsrechtes in Polen interniert waren, beteiligten sich Mitglieder
unserer Vereinigung an Solidaritätsveranstaltungen, zu einem Zeitpunkt,
als zum Beispiel der von Sympathisanten des DDR-Regime unterwanderte
Verein deutscher Schriftsteller (VS) sich phasenweise von den
„konterrevolutionären“ Handlungen der angeblich vom Geist des
Katholizismus gesteuerten Solidarnosc-Anhänger distanzierte. Parallel
zu dem kulturpolitischen Engagement des Exil PEN leisteten seine
Mitglieder vor allem in den
70er und 80er Jahren eine literarische und kulturhistorisch relevante Öffentlichkeitsarbeit,
die von zwei Aspekten bestimmt war. Neben der allgemeinen Aufklärung über
den psychomentalen Zustand nicht nur der Gesellschaften sowjetischen
Typus sondern auch anderer unter Diktaturen leidenden Ländern in
Afrika, Asien und Amerika ging es um die Schaffung von ästhetischen
Konturen, die alternative Weltwahrnehmungen entwickeln konnten.
Zahlreiche im Exil PEN angesiedelte Autoren haben in diesem Zeitraum
ihre literarischen und dokumentarischen Werke in deutschsprachigen
Verlagen veröffentlicht. Ein breites, oft experimentelles Spektrum von
Themen und Verfahren entfaltete sich in diesen Texten, die in ihren
einstigen Heimatländern von der Zensur unterdrückt oder gar verboten
waren. Auf diese Weise wurde nicht nur die literarische Öffentlichkeit
in Westeuropa (viele dieser Werke wurden auch in andere Sprachen übersetzt)
über eine Welt informiert, die ihnen in den großen westlichen Medien
meist nur in groben Rastern präsentiert wurde. Auch der
deutschsprachige Literaturbetrieb profitierte von den ästhetischen
Anregungen und kulturellen Impulsen, die er von seinen ost- und
ostmitteleuropäischen Akteuren erhielt. Einige Beispiele aus dem
Schaffen unserer Mitglieder mögen diese Feststellung belegen: Tadeusz
Nowakowski, der bereits in den späten 50er Jahren aus Polen emigrierte,
hatte 1962 mit „Picknick der Freiheit“ ein
sarkastisch-parodistisches Bild von seinem Land gezeichnet. Der aus
Budapest stammende vielseitig begabte Romancier und Publizist György
Dalos (Jg. 1943) schrieb Satiren auf die totalitäre Überwachung des
literarischen Schaffens und des gesellschaftlichen Lebens in den
staatssozialistischen Ländern und verarbeitete seine traumatischen
Erlebnisse als Kind jüdischer Eltern. (vgl. „1985“, „Die
Seilschaften“, „Die Beschneidung“). Der tschechische Lyriker und
Erzähler Jiří Gruša, der nach der Publikation seines Romans
„Der 16. Fragebogen“ in einem Exilverlag die CSSR verlassen musste,
gehörte ebenso wie Ota Filip (Jg. 1930) zu jener Mehrheit von
Schriftstellern, die nach 1968/69 zum Schweigen gebracht wurden. Ihre
Stimmen findet der deutschsprachige Leser in der von Gruša, gemeinsam
mit Vaculik und Uhde, im Jahre 1978 herausgegebenen Anthologie „Stunde
namens Hoffnung“ mit einem bitteren Beigeschmack wieder. Es ist die
schmerzliche Einsicht in eine Welt, die Heinrich Böll mit der Metapher
„Biafra des Geistes“ bezeichnete. Dass die „realsozialistische“
Welt in den 80er Jahren aus der Sicht junger DDR-Schriftsteller
allerdings nur noch eine Farce darstellte, verdeutlichte zum Beispiel
das lyrische experimentelle Schaffen von Jan Faktor, der Anfang der 70er
Jahre kurioserweise nach Ostberlin emigrierte. Diese
kreative Palette von Schreibweisen und Kulturmustern könnte jederzeit
erweitert werden. Doch eine international renommierte Vereinigung wie
der Exil PEN Club, der nach dem Zerfall des kommunistischen Systems
seine Beziehungen nicht nur nach Ostmitteleuropa, sondern vor allem nach
Ostbelgien erweiterte, lebt und wirkt durch tatkräftige finanzielle
Unterstützung, die bislang noch nicht befriedigend ist. Sie verkörpert
sich in einer Reihe von deutschland- und europaweit anerkannten
Ehrenmitgliedern. Unter Ihnen sind Dr. Otto von Habsburg, Ehren-Präsident
der Paneuropa-Union und viele Jahre Mitglied des Europäischen
Parlaments, Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz, Karl-Heinz Lambertz,
Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, ebenso
hervorzuheben wie Dr. Andreas von Below von der
Konrad-Adenauer-Stiftung, Jiři Gruša, Präsident des
Internationalen P.E.N., Petr Pithart, ehemaliger Präsident des Senats
der Tschechischen Republik und Kardinal Miloslav Vlk, ehemaliger
Dissident und Bürgerrechtler. Sie haben die in der Regel zwei bis drei
Tagungen in den 90er Jahren und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts
mit Grußworten oder finanziellem Engagement begleitet. Nach
der Implosion der kommunistischen Regime: Mit welchen Erkenntnissen nahm der Exil PEN zu Beginn der 90er Jahre seine internationale, über den europäischen Tellerrand hinausreichende Tätigkeit auf? War die erste deutsch-tschechische Tagung auf Schloss Dobiš 1990 von der möglicherweise befreienden Einsicht geprägt, man habe seine Aufgabe erfüllt, nun könne man sich auflösen, wie es zwei Jahre später die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus Anlass der Würdigung des dienstältesten Präsidenten einer Sektion des Internationalen PEN, Dr. Rudolf Ströbinger, betonte? Zehn Jahre danach erwies sich die politische Lage in vielen Ländern der Erde als weiterhin lebensbedrohlich für Schriftsteller und Journalisten, auch in jenen osteuropäischen Ländern, die nach 1991 den bislang gescheiterten Versuch unternahmen, demokratische Verhältnisse zu schaffen. Nicht zuletzt auf Grund der Initiativen des Präsidiums des Exil PEN und der mit ihnen verbundenen Institutionen konnten auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts pro Jahr mehrere Fachtagungen mit eingeladenen Wissenschaftlern, Publizisten und Schriftstellern abgehalten werden. Dabei reichte die thematische Spannweite von Perspektiven der europäischen Literaturen nach 1989 bis zu Geheimdienst-Strategien in östlichen und westlichen Systemen, von Aufgabenstellungen des europäischen Parlaments bis zur kulturell-sprachlichen Situation von Minderheiten in Mitteleuropa. Die zuletzt genannten thematischen Schwerpunkte werden sicherlich weiterhin im Zentrum der Tätigkeit des Exil PEN bleiben. Doch dessen bislang - aus finanziellen Gründen - vertretene Konzentration auf europäische Problemfelder sollte einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Die brennenden weltpolitischen Probleme und die Zuwanderung einer wachsenden Zahl von Schriftstellern aus asiatischen, afrikanischen und auch mittelamerikanischen Ländern, wie auch aus Randregionen Europas, z.B. aus Tschetschenien, stellt den Exil PEN vor eine neue verantwortungsbewusste Aufgabe. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass es unserer Vereinigung im Jahr 1998 auf Grund von beharrlichen Petitionen, wiederholten Schreiben an den damaligen Bundesaußenminister Klaus Kinkel und mit Unterstützung des International PEN gelang, die Freilassung des iranischen Schriftsteller Faradsch Sarkuhi aus einer langjährigen Gefängnishaft zu erwirken. Der Exil PEN Club engagierte sich in den vergangenen sechs Jahren auch für Autoren, die auf der Flucht vor afrikanischen Diktaturen in Deutschland um Asyl gebeten hatten. Solche sich häufenden Fälle von Verfolgungen und Repressionen gegen Menschen, die für Meinungsfreiheit und das Recht auf Kritik gegenüber den Regierenden in ihren Ländern eintraten, zwingen uns aber auch, unsere Position als Vereinigung zur Förderung des Austausches von demokratischen Meinungen zu überprüfen. Sind wir bereit, unter Wahrung der Bürger- und Menschenrechte, jenen zu helfen, die in unserem Land vorübergehenden Schutz und Anerkennung suchen? Bei der erfolgreichen Umsetzung solcher Bemühungen verlassen wir uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Bruder- und Schwesterorganisationen, pflegen intensive Beziehungen zu politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Institutionen in Europa und nutzen unsere zahlreichen Kontakte mit benachbarten nationalen Organisationen. Es sind Aufgaben, die wir allerdings nur dann realisieren werden, wenn wir jüngere Schriftsteller, Journalisten und Politiker für die Mitarbeit gewinnen können. Denn es gilt in unserer zunehmend global entgrenzten Welt einen Hort für diejenigen zu finden, die im Exil ihre Stimme für ihre rechtlos und unmündig gebliebenen ethnischen und nationalen Gemeinschaften erheben. Wolfgang Schlott (Januar
2007) |
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