Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier

Prof. Dr. Wolfgang Schlott

Präsident des Exil-PEN
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Bremen, den 3. September 2018  


Ministerpräsident

des Freistaates Sachsen
Michael Kretschmer
Sächsische Staatskanzlei
Archivstraße 1
01097 Dresden

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

im Namen des Präsidiums der Schriftstellervereinigung Zentrum der Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder und seiner 75 Mitglieder wende ich mich anlässlich der rechtspopulistischen Ausschreitungen und gezielter Angriffe der AfD sowie einiger bundesweit agierender rechtsradikaler und krypto-faschistischer Organisationen in Chemnitz gegen die demokratische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland mit einer dringenden Stellungnahme an Sie . Ausgehend von meinen Erkenntnissen und DDR-spezifischen Erfahrungen, die ich mit der Mehrheit unserer Mitglieder teile, war ich von Ihren Aussagen zur tadellosen Vorgehensweise der sächsischen Ordnungskräfte während der Demonstrationen in Chemnitz am 28. und 29. August 2018 und Ihren Statements während der ARD-Sendung mit Anne Will am 2. September mehr als schockiert. Angesichts der seit mehr als 15 Jahren immer wieder bestätigten Beobachtungen und in vielen Publikationen registrierten Unfähigkeit der sächsischen Behörden im Umgang mit rechtsradikalen Angriffen gegen demokratische Institutionen auch in Ihrem Bundesland und der oft militanten rechtspopulistischen Hetze gegen die Flüchtlinge halte ich Ihre öffentlichen Bekundungen und die Verteidigung der Politik Ihrer CDU-Vorgänger für naiv und zugleich – in der Abwehrhaltung gegenüber den aggressiven rechtsradikalen Kräften – für gefährlich im Hinblick auf den Bestand der demokratischen Ordnung. In meiner Eigenschaft als ehemaliger Bürger der DDR und Insasse eines DDR-Gefängnisses ist mir die verdeckte faschistoide und tendenziell rechtspopulistische Einstellung auch von sächsischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in den 1970er Jahren mehr als vertraut. Und diese aus der DDR übernommene Haltung, eine Mischung aus Staatsverdrossenheit, Minderwertigkeitsgefühlen gegen die westdeutschen „Imperatoren“, fehlender Aufbruchsstimmung spätestens seit 1992 und dem Gefühl „zu kurz zu kommen“, hat gemeinsam mit dem nicht bewältigten nationalsozialistischen Erbe (dafür gab’s die verlogene antifaschistische Staatsideologie der DDR), zu dieser gefährlichen Mischlage (von der auch die westlichen Bundesländer mit durchschnittlich rund 18 Prozent rechtsnational infiziertem Denken nicht frei sind!) geführt. Das Ergebnis ist nicht nur auf den Straßen von Chemnitz zu besichtigen. Ebenso schlimm ist die Unterwanderung (nicht nur) der sächsischen Behörden mit rechtsextremen Haltungen und verdeckten Aktivitäten gegen den demokratischen Rechtsstaat.
Wehret den Anfängen hieß es in der fragilen Weimarer Republik, gegenwärtig aber ist die Demokratie noch stark genug, um mit vereinten Kräften die Rechtsradikalen und den rechtspopulistischen Mob - oft im Gewand der demokratischen Heuchler - zurückzudrängen. Wie lange noch, angesichts der wachsenden rechtsnationalen Stimmung überall in Europa?

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Wolfgang Schlott

Die sich seit Monaten häufenden antisemitischen Hetzkampagnen gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die wachsende Zahl an Provokationen von Seiten rechtsradikaler Organisationen und Splittergruppen gegenüber jüdischen Gemeinden, die von Hass und Willkür getragenen körperlichen Attacken muslimischer Mitbürger gegen Menschen, die die Kippa tragen oder sich als Menschen mosaischen Glaubens zu erkennen geben, veranlassen die Mitglieder unserer Schriftstellervereinigung, ihren Protest gegen diese schändliche Hetze aus den Reihen rassistisch verblendeter Mitbürger zum Ausdruck zu bringen. Mit dieser entschiedenen Willenskundgebung erklären sie sich auch mit allen Mitgliedern jüdischer Gemeinden solidarisch, unter denen viele Einwanderer vor allem aus ost- und südosteuropäischen Ländern noch vor wenigen Jahren antisemitische Hetze und Benachteilgung erleiden mussten. Umso schändlicher ist es, wenn sie nun wieder von blindwütigen, ideologisch verblendeten Mitbürgern verfolgt werden. Es ist deshalb dringend geboten, nicht nur solidarische Bekundungen für unsere jüdischen Brüder und Schwestern öffentlich zu machen, sondern sich auch für den Schutz unserer jüdischen Gemeinden einzusetzen, gegen jegliche rassistische antisemitische Hetzparolen aufzutreten und seine Empörung über hassgeladene Äußerungen öffentlich zu machen.
Die Mitglieder unserer Schriftsteller-Vereinigung, die aus mehr als 15 europäischen, asiatischen und afrikanischen Ländern stammen, bekunden, mit dieser Erklärung ihre entschiedene Abwehrhaltung gegen die wachsenden versteckten und offenen Hetzkampagnen mit ihren literarischen und journalistischen Texten und Aufrufen zum Ausdruck zu bringen. Sie sind in ein Land gekommen, das sich mit Bitterkeit und Scham an die systematische Vernichtung deutsch-jüdischer und jüdischer Mitbürgerinnen und MItbürger durch die nationalsozialistische Mörderbande vor mehr als siebzig Jahren erinnert und bekunden nun, in der Stunde erneuter Bedrohung jüdischer Gemeinden, ihre Solidarität mit ihren verfemten Brüdern und Schwestern.

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