Herzlich willkommen beim Exil-P.E.N. im Internet!

Im Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachiger Länder, sind vorwiegend Autoren, die aus politischen Gründen ihre Heimat verließen oder gar verlassen mussten, verbunden.
Schriftsteller, die im Exil leben, schauen auf einen weiten Horizont. Ihr Blick richtet sich oft über Grenzen hinaus und in die Details anderer Gesellschafts- und Lebensformen hinein. Das kann für eine Gesellschaft, die sich dafür öffnet, von Nutzen sein – nicht im Sinne von Besserwisserei, sondern zur Erweiterung von Erfahrung. Und wie könnte diese lustvoller geschehen als durch Literatur?
Wir laden Sie ein, hier die Autoren des Exil-P.E.N. kennenzulernen – sowohl durch eine sich aufbauende Sammlung ihrer Texte, als auch durch Stellungnahmen zum (literarischen) Zeitgeschehen.

Ursula Teicher-Maier

Laudatio auf Herbert Somplatzki aus Anlass der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am Band – 17. Juli 2019

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Herbert Somplatzki,
Als ich im Namen des Exil-PEN deutschsprachiger Länder, einer Schriftstellerorganisation im Rahmen des International P.E:N., vor rund anderthalb Jahren in der Staatskanzlei Nordrhein Westfalen den Antrag auf Überreichung des Verdienstordens der Bundesrepublik für Herbert Somplatzki einreichte, wusste ich genau, meine sehr verehrten Damen und Herren, warum eine solch hohe Anerkennung unserem langjährigen Mitglied gebührt. Die Würdigung seines jahrzehntelangen schöpferischen Lebens, sein schriftstellerisches Wirken mit ganz unterschiedlichen Themen und Sujets, seine umfangreiche kulturpolitischen Tätigkeit weit über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus – all diese Gründe für eine solch hohe Auszeichnung aber würden nicht ausreichen, um Herbert Somplatzkis besondere Verdienste für den regionalen, nationalen und transnationalen Kultur- und Literaturbetrieb hervorzuheben. Vielmehr ist es auch und vor allem die Würdigung einer Persönlichkeit, die unter ungewöhnlich schwierigen Lebensumständen sich zu einer vielseitig interessierten, den restaurativen geistigen Zustand der Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegszeit mit ungewöhnlicher Energie überwindenden persona grata entwickelt hat.
Die Voraussetzungen für einen solchen Entwicklungsschub waren denkbar ungünstig. Der am 19. Dezember 1934 in einem Dorf in der Nähe von Ortelsburg, in Mazuren in einer Bauernfamilie Geborene geriet als elfjähriger Junge im Winter 1945 in die mörderischen Wirren des Zweiten Weltkriegs, ein Jahr später musste er mit seinen Eltern in das Ruhrgebiet auswandern, wo er nach dem Abschluss einer Volksschule elf Jahre lang im Kohlebergbau arbeitete.
Die ersten akademischen Weihen erreichte Herbert Somplatzki mit der Aufnahme als Ausnahmestudent an der Deutschen Sporthochschule Köln. Der zweite Streich war das Studium an der Akademie Remscheid für Kulturelle Bildung und Medienerziehung mit dem Schwerpunkt Theater und Literatur. Dazwischen lag im Sommer 1966 eine fast 6.000 km lange Fahrradtour durch West- und Zentraleuropa, dem sein erstes Theaterstück über den spielerischen Charakter von Sport folgte. Es wurde nach seiner Rückkehr ins Ruhrgebiet auch prompt inszeniert und dann auch als Fernsehspiel vom ZDF 1967 ausgestrahlt. Was dann folgte ist eine Häufung von Reisen (so mit einer Delegation deutscher Sportpädagogen nach Japan), die Zusammenarbeit mit dem Jugend Filmstudio Berlin und der Sportjugend NRW bei der Fertigstellung des Films „Sechs Tage – vier F- und eine halbe Stadt“.
Die 1970er Jahre waren noch turbulenter: Tätigkeit im „Werkkreis Grafik der Arbeitswelt“, literarische Veröffentlichungen in renommierten Zeitschriften, Präsentation eines Übungsgeräts während der Olympischen Spiele in München, Produktion von experimentellen Kurzfilmen mit seiner Ehefrau Gerlinde Bahr-Somplatzki, 1972 Beginn eines weiteren Studiums der Erziehungswissenschaften, Germanistik und Kunst, Engagement in Schreibwerkstätten, Teilnahme am Wettbewerb der ARD für Minutenhörspiele, erster Preis für das utopische Bühnenstück „Auf einem anderen Stern“ für das Freilichttheater in NRW. Ich könnte hier fortsetzen mit der Aufzählungen von Aktivitäten und Preisen, wenn es nicht einen größeren Umbruch im Leben von Gerlinde und Herbert gegeben hätte: Dreißig Jahre nach der erzwungen Ausreise aus seinem Geburtstand kehrt Somplatzki in sein masurisches Geburtsdorf zurück und eine lange Zusammenarbeit mit polnischen Gemeinden, Schriftstellern und Theaterleuten in Warschau beginnt.
Ungeachtet des Kriegszustands in Polen zwischen 1981 und 1983, unbekümmert um wachsende Schwierigkeiten mit den staatspolnischen Behörden. Ganz im Gegenteil. In Zusammenarbeit mit der Chefdramaturgin, Dr. Ilka Boll, unterstützt er die deutsch-polnischen Theaterinszenierungen in Essen, schreibt eine Biografie „Ilka Boll- Theaterbrennpunkt Essen“, die im Klartext-Verlag 1989 erscheint. Und in den 1980er Jahren? Meine Damen und Herren, ich möchte Sie nicht ermüden, doch was dann folgt ist eine ganze Reihe von erfolgreichen Initiativen und Aktivitäten, die ich nur abrissartig aufzählen kann: Aufbau eines Literaturbüros im Ruhrgebiet, Arbeit als freiberuflicher Schriftsteller, Bücher für Jugendliche und Kinder, der Roman „Morgenlicht und wilde Schwäne – ein Sommer in Masuren“, Theaterstück „Vom Ende der Schwarzen Diamanten“ über das Ende des Kohleabbaus im Ruhrgebiet.
Und in den 1990er Jahren? Gemeinsame Aktivitäten mit polnischen Künstler*innen, Teilnahme an deutsch-polnischen Kunsttagen, Mit-Organisation der deutsch-polnischen Begegnungen in NRW, wo sich Johannes Rau und der polnische Botschafter Andrzej Byrt trafen, und Wladyslaw Bartoszewski in der Neuen Synagoge in Essen eine viel beachtete Rede hielt, Somplatzkis Theaterstück „Sie sind von Osten gekommen“ über die familiären Wurzeln berühmter Künstler, deren Eltern aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten stammen, verstärkte Zusammenarbeit mit polnischen Institutionen. Die Jahre nach dem politischen Umbruch in Polen sind voller Aktivitäten. 1999 zum Beispiel: Somplatzki entwickelt zusammen mit Tadeusz Ostojski das deutsch-polnische Projekt „Kobieta o Burzynowych Wlosach“ (Die Frau mit den bernsteinfarbigen Haaren), im Jahr 2000: Literatur Polens ist Schwerpunktthema der Internationalen Buchmesse in Frankfurt a.M., und im Anschluss daran findet die Lesereihe „Polen erlesen…“ statt, an der Somplatzki als Autor beteiligt ist.
Ein weiterer Schwerpunkt der unermüdlichen Aktivitäten von Herrn Somplatzki ist zusammen mit seiner Ehefrau die Zusammenarbeit mit evangelischen Gemeinden in seiner ehemaligen masurischen Heimat. Im Jahr 2002 wird er dann Mitglied des Exil-PEN- Zentrum der Schriftsteller*innen im Exil deutschsprachiger Länder, deren öffentliche Arbeit er mit Lesungen aus seinen Werken seither bereichert. Im selben Jahr veröffentlicht er die „Masurische Gnadenhochzeit“, um an die Hochzeit seiner Eltern – Marta und Karl Somplatzki am 12. Mai 1932 zu erinnern. Ein Werk, das den Grundstein für eine erfolgreiche Wanderausstellung legt, die unter dem Titel „Ost-West-Begegnungen in Krieg und Frieden“ von dem Westpreußischen Museum und dem Regionalmuseum im polnischen Krokowa in 29 deutschen und polnischen Städten gezeigt wurde.
An diesem Beispiel, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist die besondere Bedeutung von Herbert Somplatzki als Zeitzeuge, Schriftsteller und Vermittler der deutsch-polnischen, einst so schwierigen Beziehungen hervorzuheben. Er gehört zu jener Nachkriegsgeneration, die vor allem nach dem politischen Umschwung am Ende des 20. Jahrhunderts die Gelegenheit zur produktiven Aufarbeitung dieser unheilvollen deutsch-polnischen Geschichte nutzte, mit vielfältigen Veranstaltungen, Vorträgen und Lesereisen durch Polen. Seine öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten fanden ihren Widerhall im polnischen Fernsehen, seine vielfältige Zusammenarbeit mit polnischen Universitäten und Hochschulen trug dazu bei, dass er ein anerkannter Vermittler zwischen deutscher und polnischer Kultur geworden ist. Herbert Somplatzki ist es auf diese Weise gelungen, seine familiäre Geschichte mit den großen Linien der deutsch-polnischen Nachkriegsgeschichte so zu verbinden, dass er zu einer anerkannten Persönlichkeit geworden war, einer Persönlichkeit, die eine Reihe von Auszeichnungen für seine schriftstellerische und kulturpolitische Arbeiten erhalten hat. Dazu gehörte in den Jahren zwischen 2007 und 2017 die aktive Unterstützung von deutsch-polnischen Städtepartnerschaften, wie z. B. 2007 in Herten. Weiterhin ist hervorzuheben, dass Herbert Somplatzki mit seinem Vortragsprogramm „Wälder und Menschen“ in Deutschland und in Polen an den deutschen aus Ostpreußen stammenden Dichter Ernst Wiechert erinnerte; er initiierte literarische Begegnungen zwischen Schriftstellern aus dem Sauerland und Ermsland-Masuren und nicht zuletzt war er während des Festivals „Literaturland Westfalen“ 2017 an der Planung und Durchführung der Veranstaltung „hier! Angekommen – Fluchtziel Westfalen“ beteiligt.
Lassen Sie mich, MduH, an dieser Stelle innehalten, um noch einmal ganz kurz zurückzublicken auf die unermüdliche soziokulturelle und literarische Tätigkeit von Herbert Somplatzki zum Wohle der Bundesrepublik Deutschland, seinem Bundesland NRW und der deutsch-polnischen Beziehungen. Er ist, nicht zuletzt auch mit der uneigennützigen Unterstützung seiner Frau Gerlinde, zu einem Vorbild für mehrere Nachkriegsgenerationen geworden, die dank einer solchen Persönlichkeit einen nachhaltigen Lernprozess im Hinblick auf die Verständigung von benachbarten Völkern vollzogen haben. Aus diesem Grund ist auch der Antragsteller im Namen des Exil-PEN deutschsprachiger Länder besonders stolz darauf, dass Bundespräsident Steinmeier unserem Antrag stattgegeben hat, Herbert Somplatzki das Bundesverdienstkreuz am Bande zu überreichen. Ich gratuliere auch im Namen unserer Exil-PEN Mitglieder von ganzem Herzen!

Prof. Dr. Wolfgang Schlott

Mit dem Ausdruck tiefer Anteilnahme und Trauer geben wir kund, dass unser langjähriges Exil-PEN-Mitglied, der Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Publizist Dr. h.c. Dieter Schlesak am 29. März 2019 im Alter von 84 Jahren in Agliano bei Lucca, in der Toskana, gestorben ist. Er wurde im siebenbürgischen Sighișoara/ Schäßburg am 7. August 1934 geboren, wuchs als deutschrumänischer Staatsbürger auf, studierte in Bukarest in den 1950er Jahren Germanistik und arbeitete als Redakteur an der deutschsprachigen Zeitschrift Neue Literatur als Redakteur. Seit den frühen 1960er Jahren betätigte er sich als Autor und Übersetzer rumänischer Werke. 1969 kehrte er von einer Dienstreise in die Bundesrepublik Deutschland nicht mehr in die Sozialistische Volksrepublik Rumänien zurück. Er ließ sich in Stuttgart als freischaffender Schriftsteller nieder und schuf sich in den 1970er Jahren eine zweite Wahlheimat in der Toskana. Dieter Schlesak, ein Grenzgänger „in Dingen des Wohnsitzes und der Landeszugehörigkeit“, wie er in einem Interview mit der renommierten rumänisch-französischen Schriftstellerin Rodica Draghincescu bekannte, und „in Wirklichkeit nirgends ‚zu Hause’, schöpfte seine wesentlichen literarischen Anregungen aus der europäischen Diaspora und seiner Herkunft aus einer geschichtsträchtigen Region. Drei umfangreiche Erzählwerke „Vaterlandstage und die Kunst des Verschwindens“ (1986), Capesius, der Auschwitzapotheker“ (2006) und „Transsylwahnien“ (2009) begründen neben einer Vielzahl von Prosa- und Lyrikwerken, Übersetzungen und Essaybänden seine Position als renommierter deutschsprachiger Schriftsteller in der Form von zahlreichen angesehenen Preisen. Der Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder hat vor allem in den vergangenen zehn Jahren die Publikationen von Dieter Schlesak in der Form von Rezensionen in einer Reihe von deutschen und deutschrumänischen Zeitschriften gewürdigt. An den Anthologien unseres Exil-Vereins, die in den 2000er Jahren im Pop-Verlag erschienen sind, ist Dieter mit Gedichten und Prosatexten von hoher Qualität beteiligt gewesen. Wir trauern um einen liebgewonnenen, hoch angesehenen Kollegen, Freund, uns stets verbundenen Ratgeber, einen bedeutenden Schriftsteller, dessen Werke uns vor allem den südosteuropäischen Kulturraum erschlossen haben. Und wir übermitteln unsere Trauer seiner Ehefrau und Lebensgefährtin Linde.

Prof. Dr. Wolfgang Schlott, im Namen des Präsidiums und aller Mitglieder des Exil-P.E.N. – Bremen/Regensburg, 2. April 2019

ECHO 12 2018 2018.10.27. FRANKFURT AM MAIN EXIL PEN 60

Jahrestagung und Jahresversammlung des Exil-PEN – 27. Oktober
Jahresbericht des Vorsitzenden WS

Nach mehr als zehn Jahren, die ich mit der Zustimmung unserer
Mitglieder als Präsident des Exil-PEN verbracht habe, komme ich
zu einer ernüchternden Bilanz. Ich beobachte, ungeachtet
meiner ständigen Bemühungen um die fachliche und
publizistische Unterstützung unserer Mitglieder und des Pop-
Verlags in der Form von Rezensionen und Verweisen in Fach-
und Kulturzeitschriften auf deren Buchveröffentlichungen, ein
rapide nachlassendes Interesse an den Unterstützungen von
Stellungnahmen gegen den anwachsenden Rechtspopulismus
oder den Antisemitismus nicht nur in Deutschland. Wenn ich in
der Statistik unserer Resolutionen, Proteste und
Solidaritätserklärungen der Jahre 2007 bis 2018 nachschaue,
dann stelle ich fest, dass eine rasch nachlassende Anzahl an
öffentlichen Bekundungen mit einem wachsenden Bedenken
oder Nicht-Reaktionen auf Stellungnahmen (manchmal sogar
mit Reaktionen, wie z.B. wir sind doch eine literarische
Vereinigung und nicht ein Protest-Verein gegen das Auftreten
von Hooligans, wie im Sommer 2018) in Verbindung steht. An
ihre Stelle treten jetzt Mails mit verdeckt intrigantem Inhalt und
oder Aufforderungen, man solle alles nochmal sorgfältig
diskutieren. Ich werde dazu noch einmal Stellung nehmen!
Parallel dazu beobachte ich ein erfreuliches Engagement
unserer Mitglieder Ursula Teicher-Meier und Katharina Kilzer bei
der elektronischen Vermarktung der Publikationen unserer
Mitglieder auf unserer website wie auch in Facebook und der
aus bereits genannten Gründen nachlassenden Zahl an
Resolutionen. An dieser Stelle möchte ich ein hohes Lob und
Anerkennung für diese Aktivitäten im Dienste des Exil-PEN
deutschsprachiger Länder aussprechen. Ich möchte ich auch
Ursula Jetter zur demnächst anstehenden Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes am Band für Ihre mehr als
vierzigjährige literarische und publizistische Tätigkeit im
Bundesland Baden-Württemberg gratulieren, für die
Herausgabe der seit 40 Jahren erscheinenden Zeitschrift
exempla, die auch Mitglieder unseres Exil-PEN in den
vergangenen mehr als zehn Jahren immer wieder mit Beiträgen
gefüttert haben. Und an dieser Stelle darf ich auch unserem
neuen Mitglied Erwin Tigla aus dem Reschitza in Rumänien für
seine vorbildliche Arbeit als Herausgeber und Organisator von
Literaturfestivals und Publikationen im Dienste der deutschen
Minderheit im Süden des Banats gratulieren. Und
möglicherweise werden meine Bemühungen für den Verleih des
Bundesverdienstkreuzes für unser Mitglied Herbert Somplatzki
aus Schmallenberg Früchte tragen. Er hat es aufgrund seiner
unermüdlichen literarischen, kulturpolitischen und
publizistischen Bemühungen um die masurisch-polnischen und
deutschen Beziehungen nach 1945 wie auch seine und
Gerlindes Bemühungen um das literarische Profil des
Ruhrgebiets und des südwestfälischen Landstriche mehr als
verdient.

FRANKFURT AM MAIN 2018.10.26. 65 94
Ich könnte an dieser Stelle fortfahren und ein Loblied auf die
zahlreichen Buchveröffentlichungen unserer Mitglieder singen,
besonders auf die Publikationen unserer jüngst in Weißenfels
aufgenommenen Mitglieder Katharina Eismann, Tamara Labas
und Iris Wolf, ich könnte mehr über andere
öffentlichkeitswirksame Aktionen unserer Mitglieder reden,
wenn ich darüber informiert worden wäre. Leider beschränkt
sich der Informationsfluss oft nur auf Dichterlesungen, und
wenn, dann z.B. im fernen Moskau, wie von Dir, lieber Boris.
[Vielleicht werde ich auch mal eine Rundmail schicken. Jetzt
auch in NY in einer führenden Literaturzeitschrift
veröffentlicht].Da lobe ich mir unsere polnische Kollegin, Halina
Baran, die mich sehr oft über ihre Buchpremieren informiert und
mir auch über ihren mentalen Zustand nach ihrer soeben
überstandenen schweren Krankheit berichtet hat. Oder auch
unseren Alexej Makushinski, der mich – wenn auch nur – über
Facebook regelmäßig über seine erfolgreichen
russischsprachigen Publikationen informiert. Er hat uns,
nachdem ich ihm und dem Hanser Verlag in der Internet-
Zeitschrift The European eine lange Besprechung zu seinem
Roman Dampfschiff nach Argentinien geschrieben habe, am
Sonnabend aus diesem Werk gelesen. Soweit das Wichtigste
über unseren –m. A. nach – sparsamen literarischen und
literaturkritischen Austausch. Und die Konsequenzen daraus?
Also, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn ich meinen Job
nochmal nach 2019 übernehmen sollte bzw. gewählt werden
sollte, dann nicht mehr unter diesen Bedingungen. An dieser
Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die unermüdliche Arbeit
unserer Schatzmeisterin bedanken, die neben ihrer stressigen
Tätigkeit als Geschäftsführerin der Graduiertenschule an der Uni
Regensburg unsere schmalen Vereins-Einkünfte und müßigen
Mitgliedszahler verwaltet bzw. ermahnt.
Was ist noch zu vermelden, wem habe ich im Namen unseres
Präsidiums besonders zu danken? An erster Stelle natürlich
Ljubisa Simic, der Ilse Hehn, Hellmut Seiler und mich seit
Dezember 2017, nach unserer Entscheidung in Frankfurt/M. in
den gastlichen Räumen und der Tagungsstätte des
Schriftstellervereins Sieben zu tagen, ständig in fürsorglicher
Weise über die Infrastruktur und weitere Angebote für den
Ablauf unserer Tagung informiert hat. Er hat mich auch über
eine eventuelle finanzielle Unterstützung von Seiten des
Kulturamtes in Frankfurt auf dem Laufenden gehalten hat.
Leider ist daraus nichts geworden, weil nur in Frankfurt/M.
registrierte Kultur- und Literaturvereinigungen finanziell
gefördert werden. Deshalb müssen wir auch in diesem Jahr auf
unsere eisernen finanziellen Reserven zurückgreifen und freuen
uns deshalb auch über die solidarische, freundliche
Unterstützung des Schriftstellervereins Sieben.
ECHO 12 2018 2018.10.27. FRANKFURT AM MAIN EXIL PEN 20

Nachrufe:
Dr. Kay Hoff
Am 28. März 2018 ist unser langjähriges sozusagen ruhendes
Mitglied, der Schriftsteller und promovierte Germanist Dr. Kay
Hoff, geboren 1924 in Neustadt (Holstein), von uns allen
unbemerkt verstorben. Leider habe ich unser Mitglied Kay Hoff
nie persönlich kennengelernt. Sein Name war in der von Hans
Lindemann übernommenen Mitgliederliste unter der Rubrik
formelles Mitglied ohne Beitragszahlung vermerkt. In der jüngst
an der TU in Berlin von Thomas Wörther unter dem Titel
„Schriften eines Unbequemen. Das Prosawerk“. Gutachter der
renommierte Germanist Prof. Dr. Hans Dieter Zimmermann,
erschienen Dissertation lese ich: Themen seines umfangreichen
Werkes: Vergangenheitsbewältigung und Schuld, Kritik am
Kleinbürgertum, Krise des Individuums. Sein prosaisches und
lyrisches Werk umfasst sieben Romane, dutzende Erzählungen,
12 Gedichtbände, 40 Hörspiele, zahlreiche Hörspiele. Ein
umfangreiches Werk, in dem die Titel einiger Bücher auffallen:
In Babel Zuhause oder Voreheliche Gespräche, aus denen ich
Euch – in Erinnerung und Gedenken an Kay Hoff zitieren werde.
Gottlob hat die UB Bremen zwei seiner Publikationen im
Bestand.
Nach dem Urteil von Thomas Wörther zeichnet sich sein Werk
durch zwei markante Phasen aus: In den 40er Jahren der
Überlebenskampf der kleinen Leute. In den 60er Jahren eine
experimentelle Prosa, in der die gesellschaftliche Krise in
inneren persönlichen Krisen niederschlägt.
Und auffällige Merkmale ausseiner Biografie: In den frühen 70er
Jahren war er Leiter des Deutschen Kulturzentrums in Tel Aviv.
Vielleicht findet sich unter uns, der noch recherchieren möchte
... Aber den meisten geht es ja wohl um die Spiegelung in
eigenen Texten oder?

Dr. Dietmar Scholz
1933 in Kunitz (Niederschlesien) – 13. Februar 2016 in
Reutlingen
Mitglied im International PEN-Club, VS und der Künstlergilde
Esslingen.
Dichter, Prosa-Schriftsteller und bildender Künstler. Verfasser
von Kinder- und Jugendbüchern. Essays und Hörspielen. Im
Bereich der Epik. Schrieb „Geschichten einer Generation, die
von Krieg und Vertreibung geprägt war.“
In der bildenden Kunst: „bringt er Text, Bild und Musik
zusammen“ und in seinen bildkünstlerischen Arbeiten kamen
Techniken, Motiv und Form zusammen. Er war ein
leidenschaftlicher Berufspädagoge. Eichendorff-Literaturpreis
1985 und der Edith-Heine-Lyrikpreis der Stiftung Kulturwerk
Schlesien im Jahr 2014

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